60 Fragen an die US-Botschaft in Oesterreich

60 Fragen an die US-Botschaft

Alexandra Bader

29 Juli 2007


Das Original ist hier: http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=596

Österreich ist frei, seit 1955, ein souveräner Staat, der seine Entscheidungen eigenständig trifft und der seine StaatsbürgerInnen, wie ja auch z.B. in der Europäischen Menschenrechtskonvention verlangt wird, vor den Eingriffen insbesondere auch der geheimen Dienste anderer Länder schützt. ÖsterreicherInnen, die in der Ausübung ihrer Rechte als StaatsbürgerInnen von den geheimen Diensten anderer Länder gehindert werden, weil sie deren Operationen in Österreich hinderlich sind, können sich vertrauensvoll an unsere Sicherheitsorgane wenden.

Ja, so sollte es sein. So sollte es überall in Europa sein, wenn wir statt Österreich ein anderes Land einsetzen und diese Sätze nochmal lesen, die eigentlich bloss Selbstverständliches feststellen. Dennoch wissen wir, dass es "rendition flights" gab, bei denen die CIA (mit jenen Maschinen, die Saudis nach 9/11 aus den USA brachten, als Flugverbot herrschte) angebliche Terrorverdächtige entführte und in Geheimgefängnissen folterte. Duldung bis Komplizenschaft europäischer Staaten wurde in einem Bericht des Europarates festgestellt (vom diesem Gremium wurde einst die Menschenrechtskonvention ersonnen), und viele, die sich mit der Materie befassen, bedauern, wie haarscharf der definitive Nachweis von Geheimgefängnissen in neuen EU-Staaten scheiterte., nachdem es sehr konkrete Hinweise gab.

Man putzt sich gerne ab, wenn Entführte nur seit vielen Jahren in Europa lebten, aber keine Staatsbürger sind, und überhaupt, sind ja "terrorverdächtige Muslime". Wenn es sich peinlicherweise doch um Staatsangehörige handelt, brauchen sie nach der Tour durch die Hölle allen Mut, um noch aufzustehen und zu sagen, was sie durchgemacht habe wie der Deutsche Khaled al Masri. Er wollte, dass die deutschen Mitwisser zur Verantwortung gezogen werden, stand auch dem Ausschuss des EU-Parlaments zu den Entführungsflügen zur Verfügung - und hielt den psychischen Druck nicht mehr aus, die völlige Erschütterung seiner Welt, die Traumata und legte Feuer. Die Bildzeitung (in alter Tradition, flossen doch CIA-Gelder zu Springer) bläst zum Halali auf einen von seiner Regierung schmählich im Stich gelassenen Menschen "Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?", statt zu fragen, warum "wir" zuließen, dass ein Deutscher mit Billigung seiner Regierung terrorisiert wurde.

Auch zwei in Österreich lebende Muslime wurden entführt, praktischerweise keine Staatsbürger, ergo auch kein Grund für die Regierung, sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Dies hatte damals das profil aufgedeckt, dass sich ansonsten nicht extrem für CIA-Machenschaften in heimischen Gefilden interessiert (diese sind generell ein Tabuthema, sodass gerade mal die allerhöchste Spitze des Eisberges irgendwo vorkommt). Wer hierzulande auf CIA-Aktivitäten stößt, ist zuerst meist furchtbar entsetzt, sofern dies aus dem Alltag heraus geschieht, Dinge betrifft, die eine/n persönlich betreffen. Dazu kommt dann das namenlose Entsetzen, dass frau/mann damit aber völlig allein ist, ganz auf sich allein gestellt ist. Wer wirklich seine Rechte auf Schutz und Beistand einfordert, kommt sich vor wie Hermine im neuen Harry Potter Band, in deren Tasche unbegrenzter Inhalt passt. CIA in Österreich ist in Österreich sowas von tabu, dass alle, die eigentlich dagegen auftreten müßten, scheinmbar in einer riesigen Tasche in Deckung gehen.

Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass hier (wie in anderen Staaten auch, aber müssen die Vorbild / Ausrede sein?) weitreichende Entscheidungen auf Basis unbewiesener Behauptungen der US-Regierung getroffen werden, und dass auf EU-Ebene ebenfalls keine eigenständige Bewertung vorgenommen wird. Die "Mutter aller Lügen" ist hier jene Version von 9/11, die uns seit dem 11.9.2001 nachmittags unserer Zeit eingetrichtert wird. Sie hat Veränderungen im Sicherheitsbereich zur Folge, sie ist auch Basis für eine Erlaubnis für Eurofighter-Piloten, nach eigenm Gutdünken und auf eigene Verantwortung Passagiermaschinen abzuschießen. Seit ich "hierzulande auf CIA-Aktivitäten" stiess und das übliche Desinteresse bzw. Dulden erlebte, versuche ich dennoch immer wieder, die Mauern des Schweigens einzureißen (was aber zu 99,99% bedeutet, auf Mails und / oder Fragen keine Antwort zu erhalten).

Ich wandte mich nun an die amerikanische Botschaft als diplomatische Vertretung der US-Regierung in Österreich. Dort müßte man ja doch imstande sein, 60 einfache Fragen zu 9/11 zu beantworten (die spontan aus vielen vielen weiteren ausgewählt wurden). Immerhin ist es Grundlage auch für den Umgang der dipiomatischen Vertreter mit der Politik des Gastlandes und nach wie vor die Basis für amerikanische Außenpolitik, die für viele Menschen vor allem Leid, Krieg und Tod bedeutet und weniger die versprochene "Befreiung". Mein Adressat ist der stellvertretende Botschafter, Botschaftsrat Scott F. Kilner, nicht nur weil die Botschafterin Österreich bald verlassen wird. Laut dem deutschen Magazin "Geheim" ist Kilner nämlich auch CIA-Agent, was ebenso auf Margaret R. Gray, Gregory E. Phillips, James A. Stofko, John J. Beaudry (alle Botschaft) zutrifft. Unter dem Stichwort "US Mission to
International Organizations in Vienna" finden wir: George A. Glass, Scott C. Thomson, Matthew Boland, und nochmal Mr. Stofko.
"US Mission to the Organization for Economic Cooperation and Development": Sam Laeuchli, David Herbert, John Beaudry.

Und hier die Mail, auf die (natürlich) keine Antwort kam - was impliziert, dass niemand sachlichen Grund hat, die 9/11-Version der US-Regierung ungeprüft für bare Münze zu nehmen.....

Das Brief, in Englisch, ist hier: http://www.911truth.eu/en/index.php?id=1,76,0,0,1,0